Vom AfA-Wert bis zur Reifenrücklage – so kommst du auf den echten km-Preis
TCO pro Kilometer richtig kalkulieren: Welche Kosten gehören rein, typische Fehler
Wer im Fuhrpark seine Preise nicht kennt, fährt blind in den Verlust. Aber: Was alles in den **Total Cost of Ownership** (TCO) pro Kilometer hineingehört, übersehen viele. Wir zerlegen die TCO-Formel in ihre Bestandteile, zeigen die typischen Rechen-Fehler und liefern dir eine Vorlage, mit der du deine eigenen Lkw realistisch durchkalkulierst.

„Was kostet mich ein Lkw pro Kilometer?" Wer die Frage nicht in 30 Sekunden beantworten kann, hat ein Controlling-Problem. TCO (Total Cost of Ownership) ist die Summe aller Kosten geteilt durch die Laufleistung – und sollte das wichtigste Kennzeichen jedes Fuhrparks sein. Doch viele unterschätzen, was alles dazugehört. Hier kommt die saubere Rechnung.
Die zwei Hauptblöcke: Fix und Variabel
TCO besteht aus zwei Bestandteilen:
- Fixe Kosten (pro Jahr) – fallen an, ob du fährst oder nicht
- Variable Kosten (pro km) – fallen je gefahrenem Kilometer an
Beide werden zusammen pro Kilometer geteilt und ergeben die TCO pro km.
Fixe Kosten – das gehört rein
| Position | Typisch (40-t Sattelzug / Jahr) |
|---|---|
| Abschreibung (AfA) | 14.000–22.000 € |
| Finanzierungskosten (Zins, Leasingrate ohne Tilgung) | 3.000–6.000 € |
| Versicherung (KH, Vollkasko, ggf. Verkehrshaftung) | 4.500–7.500 € |
| Kfz-Steuer | 700–1.300 € |
| Toll Collect-Gebühren (Grundgebühr, nicht die km-Maut) | 200 € |
| Fahrerlohn inkl. AG-Anteil (pro Lkw, anteilig) | 55.000–70.000 € |
| Gemeinkosten (Disposition, Verwaltung, Werkstatt-Overhead) | 8.000–15.000 € |
| Summe Fixkosten | ca. 85.000–122.000 € |
Größter Posten: Der Fahrerlohn. Viele Kalkulationen vergessen ihn („das ist Personal, nicht Fuhrpark") – aber pro Lkw rechnet er fix mit.
Variable Kosten – das gehört rein
| Position | Typisch (40-t Sattelzug, pro km) |
|---|---|
| Diesel (35–38 l/100 km × 1,55 €/l) | 0,55 €/km |
| AdBlue | 0,02 €/km |
| Maut (Mittelwert 35 ct/km, je Strecke) | 0,30 €/km |
| Reifen (4 Achsen × 6 Reifen × 600 € / 200.000 km Reifenleben) | 0,07 €/km |
| Reparatur und Wartung | 0,12 €/km |
| Sonstiges (Verschleißteile, Verbrauchsmaterial) | 0,03 €/km |
| Summe variable Kosten | ca. 1,09 €/km |
Die Hauptformel
Bei einer typischen Laufleistung von 120.000 km pro Jahr ergibt das:
- Fixkosten: 100.000 € / 120.000 km = 0,83 €/km
- Variable Kosten: 1,09 €/km
- TCO total: ca. 1,92 €/km
Klingt viel? Das ist die Realität für einen Standard-Sattelzug in Deutschland.
Typische Fehler
Die meisten Fuhrpark-Kalkulationen liegen 15–30 % unter dem echten TCO – weil entscheidende Posten fehlen.
Häufige Vergessensfehler:
- Fahrerlohn vergessen oder zu niedrig angesetzt (Sozialabgaben, Spesen, Schulungen)
- Reifenkosten zu optimistisch (Reifen halten in der Praxis 150.000–180.000 km, nicht 250.000)
- Wartungs- und Reparaturkosten der ersten Jahre auf den Lebenszyklus extrapoliert (alte Lkw sind teurer als neue)
- Gemeinkosten (Werkstatt, Verwaltung, IT) komplett vergessen oder pauschal mit 5 % gesetzt
- Standzeiten nicht berücksichtigt – kein Lkw fährt 365 Tage, sondern 230–260 produktive Tage
So baust du die Tabelle auf
Eine saubere Kalkulation hat vier Blätter:
- Fahrzeug-Daten – Beschaffungskosten, Restwert, geplanter Lebenszyklus, Versicherungs-Vertragsnummern
- Fixkosten – pro Jahr, mit Quelle (Rechnungs-Belegnummer, Versicherungsvertrag)
- Variable Kosten – pro km, mit Verbrauchswerten aus der Telematik
- TCO-Berechnung – Summe / km, mit Sensitivitätsanalyse (was passiert bei +10 % Dieselpreis, –10 % Laufleistung)
Vorlagen dafür gibt es als Excel oder kostenlos im Web – wichtig ist, dass du die Daten monatlich aktualisierst, nicht einmal im Jahr.
TCO-Vergleich Diesel vs. E-LKW
Eine Rechnung, die 2026 immer relevanter wird:
| Position | Diesel 40 t | E-LKW 40 t |
|---|---|---|
| Beschaffungspreis | 110.000 € | 280.000 € |
| AfA über 7 Jahre | 14.300 €/a | 36.400 €/a |
| Diesel/Strom (pro km) | 0,55 €/km | 0,18 €/km |
| Maut (CO₂-Klasse 1 vs. 5) | 0,30 €/km | 0,15 €/km (heute mautbefreit) |
| Wartung | 0,12 €/km | 0,06 €/km |
| TCO total | 1,92 €/km | 1,55 €/km |
Aber: E-LKW haben Reichweiten-Begrenzung, längere Ladezeiten, höheres Fahrzeuggewicht (= weniger Nutzlast). Die Rechnung kippt je nach Einsatzprofil. Im Regional- und Nahverkehr ist E meist klar wirtschaftlicher, im Fernverkehr noch knapper.
Kalkulation für Angebote
Wer Angebote auf Basis von „2 €/km plus Maut" kalkuliert, fährt selten Verlust – aber selten auch attraktiven Gewinn. Saubere TCO-Rechnung ermöglicht gezielte Margen-Strategien: dichte Touren = niedrigerer km-Preis möglich, Spezialfahrten = höherer Aufschlag.
Praxis-Faustregeln für Angebots-Kalkulation:
- TCO + 15–25 % Gewinn-Aufschlag = Mindest-Tagessatz
- Standzeiten im Angebot berücksichtigen (Rampe, Ladezeit) – 60–80 €/Stunde
- Leerfahrten anteilig einrechnen – Rückfahrt ohne Ladung verteilt sich auf den Hinweg
- Risikozuschlag für besondere Routen (Stadtkern, Bergstrecke, Nachtfahrt)
Häufige Fragen
Soll ich AfA nach Buchwert oder kalkulatorisch ansetzen? Kalkulatorisch – also gleichmäßig über die geplante Nutzungsdauer (z.B. 7 Jahre). Der steuerliche Buchwert ist für die Bilanz, nicht für die Kalkulation.
Wie genau muss meine Kalkulation sein? Pro Lkw genau, pro Tour idealerweise. Im Mittel über die Flotte kannst du grob mit Standardwerten arbeiten, aber bei Angeboten lohnt sich präzises Rechnen.
Was tun, wenn die Diesel-Preise schwanken? Dieselklausel im Vertrag mit dem Kunden! Standardregelung: Pro 5 ct/l Preisänderung wird der Frachtpreis um 1 % angepasst. So fängst du extreme Schwankungen ab.
Hinweis: Stand Mai 2026. Alle Werte sind Marktdurchschnitte für Deutschland und können je nach Region, Fahrzeugkonfiguration und Einsatzprofil deutlich variieren.